Töpferstadt Ummerstadt

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt Ummerstadt den Beinamen „Töpferstadt". Es war die Zeit, in der die Häfner - die süddeutsche Bezeichnung für Töpfer und (Kachel-) Ofensetzer -  aus Ummerstadt bis weit nach Thüringen hinein einen sehr guten Ruf hatten; er blieb so manchem bis zum heutigen Tag in Erinnerung.

Die Töpferkunst in Ummerstadt war hoch entwickelt. Kunstvolle  Schüsseln, Teller, Krüge und Vasen, aber auch Gebrauchskeramik und Erntekrüge zeugen von Fingerfertigkeit und Geschmack der Ummerstadter Töpfer. Außerdem stellten sie auch Tabakpfeifen aus Ton her.
Schon Mitte des 16. Jahrhunderts waren hier Töpfer am Werke.  
Damit die Waren besser verkauft ließen, verzierte man sie mit Versen und Malereien. Besonders beliebt waren auf den Jahrmärkten die Teller mit den originellen Ummerstadter Töpferversen. Mancher Meister oder Geselle hat hier Leid und Freud zum Ausdruck gebracht:

"Aus Erde bin ich geworden, aus Erde form’ ich viel, ich muss solang ich lebe, nur in der Erde wühl’!"

Das Formen und das Hantieren am Brennofen machte durstig und so schrieb man auf die Töpfe und Kannen:

"Oh, du edler Gerstensaft, Wasser gibt mir keine Kraft."

oder:

"Ohne Bier und Branntewein, mag der Teufel Töpfer sein!"

Und wenn man dann im Trinken etwas zuviel geleistet hatte, herrschte „dicke Luft"in der  Töpferfamilie, wie folgender Sinnspruch beweist:
„Da draußen vor dem Ofenloch, sitzt meine Frau und brummelt noch."

Aber so manche Töpferfrau wird auch einen Grund gehabt haben, wenn sie ihre  Keramik  mit kleinen Liebesgedichten schmückten:

"Werdet nur nicht wunderlich, wenn ich sag’: ,Ich liebe dich!´"

Das Handwerk hatte goldenen Boden: 1813 gab es 16 Töpfer in Ummerstadt. Um 1900 existierten noch zehn Töpferwerkstätten. Die Töpfermeister besuchten die Märkte in Coburg, Hildburghausen, Sonneberg, Gotha und Eisenach. 1941 waren noch zwei Werkstätten vorhanden und bald nach dem Zweiten Weltkrieg endete die Herstellung von Tonwaren und Kacheln für Kachelöfen. Mit dem Aufkommen des Aluminiumgeschirres war die goldene Zeit des Töpferhandwerks vorbei. Das Gebrauchsgeschirr wurde  nun in Fabriken hergestellt und war deshalb wesentlich billiger als die Einzelstücke der Töpfer.  Doch nach wie vor waren die bunten Teller, Vasen und Krüge überall beliebt.

Im kleinsten Bauernstädtchen Thüringens ruhte ein besonderes Kunsthandwerk, seine  Erzeugnisse waren einst weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Güte der Ware liegt in den vortrefflichen Ton, der in den Bad Colberger Waldungen (Tonberg; kurz nach dem Ortsausgang in Richtung Heldburg; rechts) gewonnen wurde. Als man begann,  Ausstellungsstücke  für die Heimatstube zusammenzutragen, fand man noch so manche schöne Keramik. 

Vom ehemaligen Töpferhandwerk ist heute noch eine kleine Ausstellung in Ummerstadt vorhanden. Neben der  Keramik  können im Töpfer- und Heimatmuseum  auch andere Gegenstände  aus vergangenen Tagen besichtigt werden.  Auf großes Interesse  stößt  bei den Besuchern etwa eine historische Kücheneinrichtung. Fotos und  andere Dokumente   ermöglichen einen Blick in die Vergangenheit.

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