Kirchen
Das kleine Ummerstadt besitzt zwei Kirchen, die die knapp 550 Einwohner und die Gäste der Stadt besuchen können: Zum einen die zentral gelegene Stadtkirche, zum anderen die Wehrkirche auf dem Berg, die Andreaskirche.
Bartholomäuskirche
Die Stadtkirche - auch Bartholomäuskirche genannt - ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen Ummerstadts. „Diese Kirche (...) steht durch die einzigartige Milde und Güte der äußerst leutseligen Fürsten Sachsens“ steht in lateinischer Sprache über dem Eingang der Kirche. Sie wurde im gotischen Spitzbogenstil erbaut und als „Kapelle“ bezeichnete man sie noch Mitte des 15. Jahrhunderts.
Den ursprünglichen Baustil erkennt der aufmerksame Betrachter noch an den Schallöchern und den Fenstern im Turm, wenngleich diese später zu rechteckigen Maueröffnungen umgearbeitet wurden, um sie den Barockstil des Langhauses anzupassen. Wann mit dem Bau der Stadtkirche begonnen wurde, ist heute nicht mehr genau nachvollziehbar.

Wallensteins Truppen legten im Dreißigjährigen Krieg die beiden Kirchen in Schutt und Asche; die Stadtkirche brannte aus, selbst die fünf Glocken schmolzen. Von 1632 bis 1640 vertrat das Rathausglöckchen die Stelle der Kirchenglocken. Im Jahre 1640 borgten die Ummerstadter zwei Glocken in Poppenhausen (Ortsteil von Hellingen; Landkreis Hildburghausen) aus; als diese ihre Glocke zurückverlangten, kauften sich die Ummerstadter 1663 in Erfurt eine neue Glocke mit einem Durchmesser von 93 Zentimetern. Diese ruft auch heute noch die Ummerstadter zum Gottesdienst - die beiden übrigen Glocken (von 1785 und 1840) fielen den beiden Weltkriegen zum Opfer; an ihrer Stelle wurde drei 1952 gegossene Stahlglocken installiert.
Von 1651 bis 1654 baute man das ausgebrannte Gotteshaus wieder auf. Fast hundert Jahre später (1743) beschloß man, das Langhaus der Kirche abzubrechen, weil es zu klein und zu dunkel erschien. Der Grundstein wurde am 2. August 1745 gelegt.
Bei der Wiedereinweihung am 23. Juni 1748 wurde das Gotteshaus auf den Namen "Zur heiligen Dreifaltigkeit" getauft. Jedoch konnte sich dieser Name nicht durchsetzen. Die Stadtkirche ist für die Ummerstadter bis heute die Bartholomäuskirche geblieben.
Rechts und links des Altarraumes findet man zwei Gedenktafeln aus Marmor; Ummerstadt gab 1872 bei dem Coburger Bildhauer Adelbert Deutschmann eine Gedenktafel aus weißem Marmor in Auftrag, mit der man an all jene Ummerstadter erinnern wollte, die 1870/71 in den Krieg marschierten. Derselbe Bildhauer fertigte 1874 für Ummerstadt auch eine die schwarze Marmorplatte an. Sie nennt den Namen des einzigen Gefallenen aus jenen Krieg: Carl Weiß.
Die Renovierungsarbeiten von 1892 waren beeinflusst vom so genannten Marktgrafenstil, der eine architektonische Einheit von Altar und Kanzel schaffen wollte. Deshalb ließen die von diesen Stil begeisterten Baumeister den bisherigen Chorraum im Turmbereich zumauern; als Beispiel für diese Umbauten seien genannt die Kirchen von Eishausen (Landkreis Hildburghausen) oder Gauerstadt (Landkreis Coburg). In Ummerstadt aber wurde die weite, hohe Öffnung zum Chorraum in Form eines Triumphbogens beibehalten und die Kanzel, mit seitlichem Zugang, am nördlichen Triumphbogen-Pfeiler angebracht.
Über den Schlussstein jenes Triumphbogens stehen die Buchstaben EFC, die Initialen des damals regierenden Herzogs von Sachsen-Hildburghausen, Ernst Friedrich Carl III. Die angebrachte Inschrift "Ehre sei Gott in der Höhe!" wurde bei der Renovierung 1990 entfernt.
Auffallend ist der beinahe „lebensgroße“ Taufengel in blauem Kleid und mit güldenen Flügeln. Mahnend hebt er die rechte Hand, während er in seiner Linken das mit dem Gotteslamm gekrönte Taufbecken hält. Das Kruzifix am Südpfeiler des Triumphbogens stammt - ebenso wie der Taufengel - aus dem 18. Jahrhundert.
Das farbenprächtige Fenster im Altarraum, das die Himmelfahrt Christi darstellt, wurde im Sommer 1919 gefertigt. Die Witwe Auguste Fischer stiftete es zum "ewigen Gedächtnis an Deutschland Kampf und Not in den Jahren 1914 bis 1919 den gefallenen Heldensöhnen unserer Heimatstadt" .Nach der Grenzöffnung waren Pfarrer Harald Färber und Wolfgang Süße auf der Suche nach einem Blei- und Buntglasfenster Restaurator um das total zerstörte Fenster wieder herzurichten. Wolfgang Süße konnte einen Adalbert Brinkmann Schüler (Coburger Kunstglaserei) Peter Pfeiffer in Coburg ausfindig machen, der dieses Kunstwerk in seinen ursprünglichen Zustand wiederherstellte. Dankenswerterweise hat die Kirchgemeinde Weitramsdorf mit ihrem Pastor Rainer Axmann ganz aktiv mitgewirkt.
Die Orgel auf der zweiten Empore zieht die Blicke der Besucher auf sich. Der Orgelprospekt ist ein für das 18. Jahrhundert typisches Barockgehäuse. Erbaut wurde das Instrument vom Hildburghäuser Hoforgelmacher Johann Christian Dotzauer.
Nach umfangreicher Renovierung wurde die Stadtkirche am 8. Juli 1990 feierlich wieder eingeweiht.
Andreaskirche
Die zweite Kirche der kleinsten Stadt Thüringens ist die Andreas-Kirche - oben auf dem Berg; die ehemals mit Wällen und Mauern befestigte Wehrkirche ist eines der ältesten Gebäude der Stadt - und des gesamten Umlandes. Ihre Ursprünge liegen wohl im 6. bis 8. Jahrhundert. 1290 wird die Andreas-Kirche erstmals urkundlich mit eigenem Pfarrer erwähnt, 1448 als selbständige Pfarrkirche bezeichnet. Der Turm der romanischen Anlage soll bereits 1222 gestanden haben. Er war ursprünglich 46 Meter hoch und damit der höchste im gesamten Heldburger Unterland.
Nicht nur seine Höhe war auffällig - auch seine Form: Ein achteckiger Helm mit vier Ecktürmen schloss den Kirchturm einst ab; dies war ein Zeichen dafür, dass Ummerstadt vor langer Zeit eigene Gerichtsbarkeit besaß.
Wann die Andreas-Kirche erbaut wurde, weiß man heute nicht aufs Jahr genau; aber aus dem romanischen Baustil lässt sich auf die Entstehungszeit schließen.
Vor 1586 wurden in dieser Kirche keine Gottesdienste gefeiert - dafür bevorzugte man die Stadtkirche, die wesentlich bequemer zu erreichen war. Aber als die Stadtkirche 1632 durch ein Feuer zerstört und erst 20 Jahre später wieder aufgebaut wurde, hielt man in der Andreas-Kirche regelmäßig Gottesdienste ab.
Der Vorturm, durch den man den jetzigen Friedhof betritt, war einst Gefängnis. Am Eingang erkennt man noch die so genannten Wetzrillen, die durch das Schleifen von Schwertern und Sensen entstanden sind. Die Wehrmauern, die den Kirchhof umgeben, wurden im 16. Jahrhundert gebaut.
Ursprünglich umgab die Kirche auch ein doppelter Wehrgraben, von dem aber nur Reste erhalten sind. Auf den Verteidigungscharakter der ganzen Friedhofsanlage deuten auch die Befestigungen am Eingangstor des Friedhofes hin.
In den ersten Apriltagen des Jahres 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, schoss amerikanische Artillerie den Turm der Andreas-Kirche und einen Teil des Kirchengebäudes in Brand.
Dadurch wurde ein weithin sichtbares Wahrzeichen Ummerstadts zerstört. Erst 15 Jahre später wurde die Kirche erneuert. Zur Wiedereinweihung am 26. Mai 1960 kam sogar der Landesbischof Dr. Moritz Mitzenheim nach Ummerstadt. Der auffallende Schieferturm aber konnte nicht wieder rekonstruiert werden, sondern wurde durch ein schlichtes Ziegeldach ersetzt. Der Besucher der Bergkirche kann einen Vergleich ziehen zwischen der heutigen und der historischen Turmform: Denn in der Wehrkirche steht ein Modell, das die Kirche noch mit dem achteckigen Schieferturm zeigt.
Heute dient die Andreas-Kirche hauptsächlich als Friedhofskirche. Nur an Festtagen werden dort auch Gottesdienste gefeiert.
Der Heilige Andreas gilt als Schutzpatron der Metzger, Fischer und Seiler, wurde aber auch als Vermittler in Liebesangelegenheiten angerufen. Im späten Mittelalter gesellte sich zu ihm der zweite Kirchenheilige: St. Bartholomäus. Dies führte im Ort zu einiger Verwirrung, weil die Stadtkirche ursprünglich auch dem Heiligen Bartholomäus geweiht war. Dieser Schutzheilige erfreute sich zu jener Zeit großer Beliebtheit - besonders bei den Fellhändlern, Gerbern, Buchbindern, Schuhmachern, Schneidern, Metzgern und Weingärtnern.
Skandalöse Entdeckung:
Die Diebe saßen in der eigenen Bürgerschaft - so hätte eine Schlagzeile über Ummerstadt im Frühjahr 1658 lauten können.
Was war passiert? Jahre zuvor waren die 22 Zentner Glockenerz verschwunden, die die Ummerstadter unter den Sitzbänken der Friedhofskirche versteckt hatten. Dieses Erz war der traurige Überrest der fünf Kirchenglocken, die beim Stadtbrand 1632 geschmolzen waren. In der Friedhofskirche sollte das Erz verborgen werden für neue Glocken, die man in besseren Zeiten daraus gießen lassen wollte.
Aber plötzlich war das Erz verschwunden. Lange Zeit glaubten die Ummerstadter, es wäre von feindlichen Soldaten gestohlen worden - aber 1658 stellte sich heraus, dass die Diebe in der eigenen Bürgerschaft saßen. Bei einem Verhör am 29. März gab eine Magd zu, dass ihr Dienstherr einer der Diebe des Glockenerzes sei.
Die Täter wurden gefasst und bestraft, berichtet die Stadtchronik: Der eine musste die „aufgelaufenen Unkosten und noch 100 Taler zahlen“. Von einem Anderen heißt es: „Es sei, nachdem ihm der Hals herumgedreht worden war und Weib und Kinder aus dem Lande gelaufen wären, ihm noch Haus und Güter verkauft und zur Anschaffung von Glocken gebraucht worden.“
Eine auf der Veste inhaftierte Witwe habe sich „aus Verzweiflung an die Wachstubentür gehängt, weil sie die Anderen nicht verraten wollte“. Auch ihr Vermögen sei verkauft worden, um den Erlös für neue Glocken zu verwenden.